Stipendienprogramm „Deutsche Auslandsschulen“: Auszeichnung für die Besten

Eileen Dorer Li mit Architektur-Dozent Peter Braumann Bild vergrößern Eileen Dorer Li mit Architektur-Dozent Peter Braumann (© Jan Greune) Im Schuljahr 2009/2010 beendeten rund 16.700 Schülerinnen und Schüler weltweit ihre Ausbildung an einer der 140 Deutschen Auslandsschulen und 870 Sprachdiplomschulen.Vertraut mit der deutschen Sprache und Kultur, sind diese jungen Frauen und Männer hervorragend qualifiziert für ein Studium an einer deutschen Hochschule. Den besten nichtdeutschen Absolventen unter ihnen eröffnet ein besonderes Programm des DAAD aus Mitteln des Auswärtigen Amts eine außergewöhnliche Chance: Sie können ein Stipendium für ein komplettes Studium in Deutschland erhalten.

Ein Atlas über Baustoffe, Fachliteratur über Beton und Ökologie, ein Ordner mit der Aufschrift „Tragkonstruktion“, dazwischen verschiedene selbst entworfene Modelle von Gebäuden: In ihrem weißen Bücherregal lässt sich das Fachgebiet von Eileen Dorer Li förmlich ablesen. Die 22 Jahre alte Peruanerin studiert seit Oktober 2008 Architektur an der Universität Stuttgart. Ermöglicht wird ihr das Studium vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) über das Stipendienprogramm für nichtdeutsche Absolventen der Deutschen Auslandsschulen. Das aus Mitteln des Auswärtigen Amts finanzierte Programm ist in doppelter Hinsicht ungewöhnlich: Nur die Besten der Besten haben eine Chance – aber sie dürfen sich nicht selbst bewerben, sondern müssen von ihren Schulen vorgeschlagen werden. Und: Das Stipendium finanziert als einziges DAAD-Programm ein komplettes Studium in Deutschland. Die Architekturstudentin begeistert sich für den Bau des Mercedes-Benz Museums Bild vergrößern Die Architekturstudentin begeistert sich für den Bau des Mercedes-Benz Museums (© Jan Greune)

Eileen Dorer Li hat die Deutsche Schule „Alexander von Humboldt“ in Lima besucht und 2007 mit dem Abitur abgeschlossen – als Jahrgangsbeste. Die Schule in der peruanischen Hauptstadt ist eine von 140 Deutschen Auslandschulen weltweit, an denen Schülerinnen und Schüler in mehreren Fächern auf Deutsch unterrichtet werden, am Ende das deutsche Abitur ablegen können und so die Zulassung für ein Studium in Deutschland erhalten. Eileen Dorer Li erinnert sich gerne an ihre Schulzeit. „Ich hatte eine sehr gute Ausbildung und ich habe mich an der Schule richtig zu Hause gefühlt“, sagt die Studentin. Gleich nach dem Abitur startete sie in Peru in ihr erstes Semester – da bekam sie die gute Nachricht von ihrem Schuldirektor: Er hatte sie für das DAAD-Vollstipendium vorgeschlagen und seine beste Abiturientin überzeugte auch die DAAD-Jury.

Von A wie Architektur bis Z wie Zahnmedizin: Zurzeit fördert der DAAD rund 500 Absolventinnen und Absolventen Deutscher Auslands- und Sprachdiplomschulen aus 50 Ländern mit dem einzigartigen Stipendium. Dr. Georg Krawietz, zuständiger Referatsleiter beim DAAD, weiß, dass diese Stipendiaten besonders gut auf ein Studium in Deutschland vorbereitet sind: „Sie sind das selbstständige und problemlösende Lernen gewohnt. Ihre Nähe zu Deutschland, zur deutschen Sprache und Kultur führt außerdem zu einer deutlich höheren Studienerfolgsquote als bei anderen internationalen Studierenden.“ Im Rahmen der vom Auswärtigen Amt gestarteten Initiative Eileen Dorer Li mit einer Kommilitonin im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart Bild vergrößern Eileen Dorer Li mit einer Kommilitonin im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart (© Jan Greune) „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) macht der DAAD die deutschen Hochschulen daher noch stärker auf das Potential der Absolventinnen und Absolventen Deutscher Auslandsschulen aufmerksam. „PASCH“ baut eine Brücke für einen leichteren Wechsel von einer Deutschen Schule im Ausland an eine deutsche Hochschule. Die Wirkung der Initiative ist sichtbar: Immer mehr Deutschlerner streben ein Studium in Deutschland an. Zu Beginn des Förderprogramms für die besten Absolventen der Auslandsschulen 2001 wurden im Jahr nur etwa 30 Stipendien vergeben, seit dem Start der Partnerschulinitiative 2008 hat sich diese Zahl gut vervierfacht.

Eine größere Vernetzung von Deutschen Schulen im Ausland und Hochschulen in Deutschland hat der DAAD außerdem mit der „BetreuungsInitiative Deutsche Auslands- und PartnerSchulen“ (BIDS) auf den Weg gebracht. Seit 2008 sind so mehr als 150 Kontakte und Kooperationen entstanden.

DAAD-Stipendiatin Eileen Dorer Li will nach ihrem Diplom im Jahr 2013 erstmal Arbeitserfahrung als Architektin sammeln – in Deutschland. „Später aber möchte ich mein Wissen in Peru weitergeben“, sagt sie. Ihre Heimatstadt, die Siebenmillionen-Metropole Lima, wachse ohne ein klares Konzept. „Für Architekten gibt es dort viel zu tun“.

© Oliver Sefrin/Societäts-Medien

Fakten

Seit 2001 vergibt der DAAD Stipendien für ein komplettes Studium in Deutschland an nichtdeutsche Absolventinnen und Absolventen von Deutschen Auslands- und Sprach­diplomschulen. // Aktuell werden rund 500 Stipendiaten aus 50 Ländern gefördert. // Etwa 120 Stipendiaten werden pro Jahr neu in das Programm aufgenommen. // Durch die Partnerschulinitiative ist die Zahl der Deutschen Auslandsschulen seit 2008 von 117 auf 140 und die der Sprachdiplomschulen von 440 auf 870 gestiegen. // Von insgesamt 81.000 Schülerinnen und Schülern an den Deutschen Auslandsschulen sind mit 60.000 fast drei Viertel nichtdeutscher Herkunft.

Stipendienprogramm „Deutsche Auslandsschulen“

Die Architekturstudentin beim Zusammenstellen eines Modells