Die deutsch-slowakischen Wirtschaftsbeziehungen – eine Erfolgsgeschichte

Containertransport Bild vergrößern Handel und Wandel (© dpa/pa) (23.08.2011) Die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der Slowakei ist beeindruckend. Das Land, das in den neunziger Jahren als Problemfall unter den mitteleuropäischen Transformationsstaaten galt, ist inzwischen nicht nur zusammen mit Estland der am weitesten integrierte aller Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts (EU, NATO, Euro, Schengen), sondern hat auch ein Jahrzehnt beeindruckender wirtschaftlicher Entwicklung hinter sich. Auch für die kommenden Jahre sind die Aussichten gut.

Die Slowakei hat die Wirtschafts- und Finanzkrise schneller überwunden als fast alle anderen EU-Staaten. Zwar hatte die Slowakei im Jahr 2009 einen tiefen Einbruch (BIP -4,7%). Der schnelle Aufschwung nach der Krise hat abermals die Nachhaltigkeit der in den letzten zehn Jahren durchgeführten Wirtschaftsreformen unter Beweis gestellt. Das slowakische BIP stieg 2010 um 4,5 %, die Exportwirtschaft erreichte sehr schnell ihre alte Stärke und für ausländische Investoren ist das Land nach wie vor außerordentlich attraktiv. Über dem EU-Durchschnitt liegende Wachstumsraten werden auch für 2011 und 2012 erwartet, wobei wegen der sich abzeichnenden Wachstumsschwäche in der EU und den USA die Prognosen etwas nach unten korrigiert werden mussten: Aber es wird im kommenden Jahr immer noch eine Drei vor dem Komma stehen. Diese Zahlen unterstreichen die beeindruckende Leistungsfähigkeit und strukturelle Stabilität der slowakischen Wirtschaft. Der Euro Bild vergrößern Der Euro (© colourbox.com)

Profitiert hat die Slowakei auch von der schnellen Erholung in Deutschland, dem wichtigsten Exportmarkt (2010 Zielland ca. 20% aller slowakischen Exporte): 2010 stieg der Export nach Deutschland um 17,8 %, nachdem er 2009 um 18,4% eingebrochen war. Die Tendenz geht weiter nach oben. Zudem hat sich der Euro als ein stabilisierendes Element in der Krise erwiesen. Deutsche und auch andere ausländische Investoren sehen im Euro nach wie vor einen wichtigen Standortvorteil der Slowakei gegenüber den Nachbarstaaten – eine Tatsache, die bei der gelegentlich Euro-kritischen Debatte in Bratislava nicht immer zur Kenntnis genommen wird.

Ein Wermutstropfen bleibt die vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit. Der Arbeitsmarkt reagierte auf die wiedergewonnene Wachstumsstärke der Slowakei eher zögerlich: Die Arbeitslosigkeit beträgt ca 12% mit nur langsam abnehmender Tendenz. Die regionalen Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt sind jedoch erheblich: Während im Großraum Bratislava selbst während der Krise fast Vollbeschäftigung herrschte (5,0 %), liegt die Arbeitslosenquote in der Mittel- und Ostslowakei bei 15%-20 %. Dennoch ist es für deutsche Firmen in der Slowakei nicht einfach, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Die Öffnung des deutschen Arbeitsmarkts für slowakische Arbeitnehmer zum 1.5.2011 hat zu keinem spürbaren Zuzug slowakischer Arbeitskräfte nach Deutschland geführt.

VW Bild vergrößern Die neuen Besitzer fordern ihr Recht … (© dpa Picture Alliance)

Deutschland bleibt Schlüsselland für die slowakische Wirtschaft. Deutschland ist seit vielen Jahren wichtigster Handelspartner der Slowakei. Die Handelsbilanz der Slowakei mit Deutschland war 2009 und 2010 positiv- ein eindrucksvoller Beweis der slowakischen Exportstärke. Die deutschen Investitionen erreichten im Jahre 2010 67 Mio. Euro. Deutscher Hauptinvestor ist weiterhin VW Slovakia – seit mehreren Jahren die Firma mit dem höchsten Außenhandelsumsatz. Der Stellenwert von VW Slovakia wird in diesem Jahr weiter wachsen, da seit einigen Wochen die neue VW-Kleinwagenreihe ‚Up’ ausschließlich im Werk Bratislava produziert wird. Rund 4000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen durch dieses Projekt in der Slowakei  – 1500 bei VW und der Rest bei slowakischen Zulieferern. Aber auch andere deutsche Unternehmen von Weltruf haben Produktionsstätten in der Slowakei – so z.B. Continental, Osram, Vaillant und Siemens. Im Energiesektor sind RWE und e-on prominent vertreten, T-Kom im Telekommunikationssektor. Insbesondere im Automotive- Bereich haben sich zahlreiche kleinere und mittlere deutsche Unternehmen in der Slowakei angesiedelt und bedienen die drei großen Automobilwerke von VW, Kia und Peugeot-Citroen.

Bild vergrößern Insgesamt gibt es in der Slowakei mehr als 400 deutsche Firmen mit fast 100 000 Beschäftigten. Alle bis auf eine Handvoll hielten während der Finanzkrise am Produktionsstandort Slowakei fest. Eine dieses Jahr von der Deutsch-Slowakischen Industrie- und Handelskammer durchgeführte Umfrage ergab, dass über 90% der deutschen Investoren mit ihrer Standortwahl zufrieden sind. Dies drückt sich u.a. auch darin aus, dass zunehmend mehr Unternehmen in der Slowakei nicht nur einen guten Produktionsstandort sehen, sondern auch Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in ihren slowakischen Werken aufbauen. Die gelegentlich gehörte Behauptung, dass die Slowakei lediglich eine ‚verlängerte Werkbank’ ausländischer Unternehmen sei, stimmt nicht mehr.

Die Entwicklung der slowakischen Wirtschaft ist eine Erfolgsgeschichte. Die deutsch-slowakischen Wirtschaftsbeziehungen haben daran einen wesentlichen Anteil.

Reinhard Wiemer, Ständiger Vertreter des Botschafters und Leiter Wirtschaft