Englisch ist ein Muss, Deutsch ist ein Plus!

Ich liebe unsere Sprache

Plädoyer für eine aktive deutsche Sprachpolitik - im Inland wie im Ausland / Von Jutta Limbach

[Auszug]

 

In seiner „Ode an die deutsche Sprache" schreibt Jorge Luis Borges „Die kastilische Sprache ward mir zum Schicksal /... Dich aber, süße Sprache Deutschlands / Dich habe ich erwählt und gesucht, ganz von mir aus. / In Nachtwachen und mit Grammatiken, / aus dem Dschungel der Deklinationen, / das Wörterbuch zur Hand, das nie den präzisen Beiklang trifft, / näherte ich mich Dir. / Meine Nächte sind mit Virgil angefüllt; / So sagte ich einmal; / Ich könnte aber auch gesagt haben: / Mit Hölderlin und Angelus Silesius. / Heine gab mir seine Nachtigallenpracht; / Goethe die Schickung einer späten Liebe, / gelassen sowohl wie bereichernd; / Keller die Rose, gelegt von der Hand / in die eines Toten, der die Blume liebte / und der nie wissen wird, ob sie weiß oder rot ist. / Du, Sprache Deutschlands, bist Dein Hauptwerk; / Die verschränkte Liebe der Wortverbindungen, / die offenen Vokale, die Klänge, / angemessen dem griechischen Hexameter, / und Deine Wald- und Nachtgeräusche. / Dicht besaß ich einmal. Heute, am Saum der milden Jahre; / Gewahre ich Dich in der Ferne; / Unscharf wie die Algebra und den Mond!"

Jorge Luis Borges hat diese Liebeserklärung an die deutsche Sprache in hohem Alter verfasst, ,,im Saum der müden Jahre“, wie er es. poetisch ausdrückt. Das erklärt die Ferne und Unschärfe, mit der er sein Hohelied ausklingen läßt.

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Mehrsprachigkeit bildet

Ob einer Sprache der Status der lingua franca zuwächst, hängt nicht zuerst davon ab, mit welcher Häufigkeit sie als Muttersprache gesprochen wird. Laut David Crystal zählt nur ein Grund für den Aufstieg einer Sprache zur Weltsprache: die Macht der Leute, die diese Sprache sprechen. Damit sind unterschiedliche Dinge gemeint: die politische Macht, die technologische, die wirtschaftliche, die kulturelle. Macht. Bismarck soll 1888 gefragt worden sein, was er für den entscheidenden Faktor in der modernen Geschichte halte. Er antwortete: daß die Nordamerikaner Englisch sprechen. An diesen Macht- und Zahlenverhältnissen wird sich in absehbarer Zeit wenig ändern. Das Englische nüchtern als Weltsprache anerkennend, hat sich das Goethe-Institut daher der Devise verschrieben: Englisch ist ein Muß, Deutsch ist ein Plus.

Trotz der überragenden Bedeutung der englischen Sprache ist die Lehre der deutschen Sprache im Ausland ein vorrangiges Politikziel. Aber wie überzeugt man jene, die bereits mit ihrer ersten Fremdsprache Englisch weltweit kommunizieren können, davon, daß das Erlernen der deutschen Sprache gleichwohl bereichert? Zunächst mit einem Argument, das für jede andere Sprache gilt - daß Mehrsprachigkeit bildet. Sprache ist nicht nur ein Mittel der Kommunikation, Sprache ist Kultur. Schon die Tatsache, für welche Sachverhalte, Befindlichkeiten und Eigenschaften eine Sprache Worte besitzt, teilt etwas über kulturelle Eigenheiten mit. Der Geist einer Sprache, so Marie Ebner-Eschenbach, offenbart sich am deutlichsten in ihren unübersetzbaren Worten. Für die deutsche Sprache sei auf die Gratwanderung, das Fingerspitzengefühl, das Waldsterben, den Weltschmerz, die Schadenfreude hingewiesen - alles Worte, für die es in anderen Sprachen keine entsprechenden Vokabeln gibt. Sprache ist, so Wilhelm von Humboldt, Ausdruck der Verschiedenheit des Denkens. Jede Sprache ist „auch eine Ansicht von der Welt". Zudem regt das Erlernen einer Fremdsprache dazu an, über die Eigenheiten der eigenen Sprache nachzudenken. Wer fremde Sprachen nicht lernt, so Goethe, kennt seine eigene nicht.

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Deutsche Sprache in der Slowakei

Eines der wichtigsten Ziele deutscher Auswärtiger Kulturpolitik ist die Förderung der deutschen Sprache. So fördern die verschiedensten Institutionen die deutsche Sprache im Bereich des Schulwesens, des Hochschulwesens und der Lehrerfortbildung.